Ein interdisziplinäres Netz für Frühförderung in Schleswig-Holstein

Ziel der unter dem Dach der LeDie gGmbH tätigen Interdisziplinären Frühförderstellen ist es, Komplexleistung für Säuglinge und Kleinkinder bis zum Schuleintritt als ein qualitativ hochwertiges Angebot an verschiedenen Standorten in Schleswig-Holstein vorzuhalten.

Das Angebot der Komplexleistung richtet sich an behinderte oder von einer Behinderung bedrohte Kinder, ihre Eltern und für die Kinder wesentliche Bezugspersonen. Kinder sind dann behindert, wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als 6 Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist. Sie sind von Behinderung bedroht, wenn die Beeinträchtigung zu erwarten ist (SGB IX § 2 Abs.1). Die drohende Behinderung kann auch von Entwicklungsstörungen, -gefährdungen und -beeinträchtigungen (einschließlich Verhaltens- und seelischen Störungen) ausgehen.

Zu diesen Kindern gehören vor allem

  • Frühgeborene Kinder und Säuglinge mit Entwicklungsrisiko (z.B. mit angeborener Behinderung, Syndromen, Risikofamilien)
  • Kinder, die in ihrer kognitiven und/oder motorischen und/oder sprachlichen und/oder sozial-emotionalen Entwicklung verzögert sind
  • Kinder, die im familiären und / oder sozialen Umfeld (Krippe, Kindertagesstätte) Unterstützung zur Teilhabe benötigen

Was ist eine Komplexleistung?

Wird durch den behandelnden Kinderarzt oder durch in der Früherkennung und Frühförderung Tätige deutlich, dass das Kind eine Kombination aus heilpädagogischen und therapeutischen Angeboten benötigt, spricht man von einer Komplexleistung. Diese umfasst, unter Einbeziehung der Eltern und wesentlichen Bezugspersonen des Kindes, ärztliche und nichtärztliche Leistungen; das sind medizinisch-therapeutische (Ergotherapie, Logopädie u. Physiotherapie), psychologische, heil- und sonderpädagogische sowie psychosoziale Leistungen, die in Bezug auf das jeweilige Kind interdisziplinär abgestimmt werden. 

Zum Angebot  Komplexleistung gehören

  • Erstberatung
  • Leistungen der Früherkennung und interdisziplinären Eingangsdiagnostik
  • Gemeinsamer Förder- und Behandlungsplan vom jugendärztlichen Dienst des Gesundheitsamtes, der Interdisziplinärer Frühförderstelle und den Eltern
  • Förderung und Behandlung der Kinder und Beratung der Eltern
  • Verlaufs- und Abschlussdiagnostik 

Förderung, Behandlung und Begleitung

Das Kind und seine Familie erhält immer eine Kombination aus heilpädagogischen/ sozialpädagogischen/ psychologischen und medizinisch-therapeutischen Angeboten (Logopädie, Ergotherapie, Physiotherapie). Die fachliche Umsetzung ist immer eingebunden in das interdisziplinäre Team und das fachlich-soziale Netzwerk. Diese Behandlungen können im Einzelfall ambulant oder mobil, einzeln und/oder als Gruppe durchgeführt werden. 

a) kindbezogene Angebote: 

Zentrale Ziele der kindbezogenen Angebote in der interdisziplinären Frühförderung sind die Verbesserung der Entwicklungsbedingungen des Kindes, der Erwerb neuer Fähigkeiten und Fertigkeiten, die Umsetzung des Förderangebotes in den Alltag sowie die Integration des Kindes in seine Lebensumwelt. 

b) familienbezogene Angebote: 

Ziel dieser Angebote ist die Erhöhung und Sicherung der Wirksamkeit der Frühfördermaßnahmen. Die direkte Einbeziehung der Eltern in Förderung und Behandlung des Kindes führt zu einem intensiven Austausch über die Entwicklung des Kindes:

  • Anleitung der Eltern zur Alltagsgestaltung und -strukturierung
  • Begleitung der Familie im Prozess der Auseinandersetzung mit der Behinderung und/oder Entwicklungsproblemen des Kindes
  • Beratung zu Verhaltens-, Beziehungs- und Erziehungsfragen

c) umfeldbezogene Angebote: 

Um die Förderung und Behandlung alltagswirksam umsetzen zu können und die Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft vorzubereiten, müssen Angebote im Lebensumfeld des Kindes erfolgen und gehören damit zur Leistung der iff

  • fallbezogene und konzeptionelle Kooperation mit anderen sozialen Einrichtungen 
  • Informieren der Eltern über soziale Unterstützungssysteme
  • Abklärung geeigneter Möglichkeiten einer institutionellen Betreuung des Kindes
  • Vermittlung von Kindern und/oder ihrer Familie an andere Fachleute und Institutionen
  • Informieren der Eltern über sozialrechtliche Möglichkeiten
  • Anbahnung und Unterstützung von Eltern- u. Selbsthilfegruppen und/oder andere Formen hilfreicher Kontakte

Unsere eigene Haltung ist der Schlüssel dafür, dass Frühberatung und Frühförderung angenommen und am tatsächlichen Bedarf und an den Vorstellungen der Familien ausgerichtet werden. Neben der Fachlichkeit unserer Mitarbeiter/innen und unserer Kooperationspartner sind uns grundlegende Qualifikationen der Handelnden wichtig wie Interesse am Gegenüber, Achtsamkeit, Respekt, Fähigkeit zur Reflexion und Beziehungsgestaltung.

Wir begreifen jedes Kind als einen einzigartigen Menschen mit individuellen Fähigkeiten und Talenten, Stärken und Schwächen, Freuden und Ängsten. Dem begegnen wir mit Akzeptanz und Wertschätzung. Eine vertrauensvolle Beziehung zum Kind ist für uns die tragende Säule im täglichen Miteinander.

Leitorientierung für unser fachliches Handeln ist die Förderung von Selbstbestimmung und Teilhabe am Leben in der Gesellschaft mit dem Ziel, eine möglichst selbständige und selbstbestimmte Lebensführung zu ermöglichen. Damit halten wir der Familie jederzeit auch offen, die Hilfe zu beenden.

Die UN-Behindertenrechtskonvention und die damit verbundene Weiterentwicklung unserer Gesellschaft zu einer Gemeinschaft der Vielfalt, bildet für uns den sozialpolitischen Rahmen. 

Das Grundsatzprogramm, das Leitbild und die „konzeptionellen Aussagen zur Weiterentwicklung der interdisziplinären Frühförderstelle“ der Bundesvereinigung Lebenshilfe tragen wir mit und setzen uns für deren Inhalte ein.

Wir verstehen uns als Dienstleister für die Kinder und deren Familien. Wir nehmen die Familie in ihrer Gesamtheit und ihrem Bedarf wahr. Die Sicherung bzw. der Ausbau ihrer Möglichkeiten zur Teilhabe haben für uns Priorität. Für die Kinder und deren Eltern bieten wir „Alle Angebote unter einem Dach“ an.

Handlungsweisend für die Arbeit in unseren Interdisziplinären Frühförderstellen ist es, ein Leistungsangebot zu machen, das weit über das Nebeneinander von Dienstleistungen hinausgeht. Ein offener Austausch und die vorurteilsfreie Kooperation untereinander, sind uns wichtig. Alle beteiligten Disziplinen bringen ihre individuelle Fachlichkeit in die Arbeit der Frühförderung ein und stimmen sie auf einander ab.  

Fachübergreifend sind wir folgenden Leitideen verpflichtet:

  • Wir stellen unsere Fachlichkeit in den Dienst des Kindes und seiner Familie.
  • In erster Linie bestimmen das Kind und seine Familie die Richtung und die Intensität unserer fachlichen Hilfen.
  • Fachlichkeit muss sich an dem aktuellen Wert für das einzelne Kind messen lassen.
  • Erfolg von fachlichen Hilfen misst sich an der Entwicklung von Teilhabefähigkeiten beim Kind und seiner Familie.
  • Wo wir nicht weiter wissen, erweitern wir unsere Fachlichkeit oder geben an gezieltere Fachlichkeit ab.
  • Fachlichkeit muss immer mit menschlicher Wärme verbunden sein.
  • Fachlichkeit im Elementarbereich kann sich nur entfalten, wenn das Kind zum eigenen Handeln motiviert werden kann.

Auszug aus unserer Konzeption aus dem Jahr 2014